Eine der Anekdoten um Thales, den ersten Philosophen, besagt, er sei, um seine vielseitigen Begabungen auch im richtigen Leben unter Beweis zu stellen, auf dem Markt zu großem Reichtum gelangt und erst danach wieder zur Philosophie zurückgekehrt. Natürlich erstand er die schönen Dinge damals noch mit dem sogenannten Primitivgeld. Von Münzprägung zur Banknote ist man in der Antike noch weit entfernt. 

Eines der meist unterschätzten Meisterwerke der dokumentarischen Kunst ist ohne Zweifel Roberto Rossellinis episch historischer FilmAge of Medici”. Einer der Helden seines Großprojekts ist der Bänker Cosimo de’ Medici. Er verhilft während der Renaissance der Medicidynastie zu großem Ansehen, indem er die fließenden Übergänge zwischen Fiskalpolitik und Souveränität aufzeigt.

Das 16. Jahrhundert ist die Zeit, in der die Metallterminologie “Münze” dominiert. Bis heute spricht man von Geld in frankophonen Ländern unter der Bezeichnung “argent” oder “monnaie”. Dies ist ein Echo aus den Metalljahren, als Goldmünzen mit Königsportraits bei hohen Herrschaften zirkulierte, und Bleimünzen die Hände des Fußvolkes schwärzten. Die Könige stellen sich als die ersten Geldfälscher heraus, weil sie durch Metallverschlechterung die Geldentwicklung vorantreiben. 

Wagen wir einen Sprung ins 20. Jahrhundert. Schon lange ist Papier der König der Geldszene. Erst im Rückblick fällt dem gesunden Menschenverstand auf, was für eine Katastrophe der Erste Weltkrieg für Europa war. Kurz zuvor gab es Prosperität und wirklichen Fortschritt, beispielsweise hatte Bismarck gerade die Rente entworfen. Als durchschnittlicher deutscher Arbeiter musste die Inflation wirklich sehr an einem zehren. Das NS-Regime nutzte den totalen Krieg als kulturellen Evolutionsbescheuniger. Totale Mobilmachung und Aktivismus, um der Mobilmachung und des Aktivismus selbst willen. 

Die Deutsche Mark erwies sich nach Kriegsende als stark dank dem DM-stabilen Wirtschaftswunder. Allerdings gibt es im Rentensystem zu dieser Zeit eine fatale Weichenstellung. Konrad Adenauer entscheidet sich für einen Umlageverfahren – auch Generationenvertrag genannt -, trotz der Einwände seines Wirtschaftsministers Ludwig Erhard. Damals koppelte man Rente an die Lohnentwicklung. Was das zur Folge hat ist erst heute sichtbar: Der Völkerwandel diktiert einen Geburtendefizit und die älteren Menschen sitzen am längeren Hebel. 

Der Zusammenbruch des Kommunismus ereignete sich zwischen 1989 und 1991. Mit dem Fall der Berliner Maucher ward auch die Alternative zum Kapitalismus passé. Heute wird auf Hochtouren an der Aufarbeitung der Treuhand Affäre gearbeitet. Dazu lässt sich die Dokumentationsreihe Rohwedder: Einigkeit und Mord und Freiheit sehr empfehlen. 

Mit der Jahrtausendwende wird der Übergang von der DM zum Euro vollzogen. Am 1.1.2002 kommt über Mitternacht der Euro. Schon ab dem 1.1.1999 gilt er als gültige Währung. Es gibt also eine neuere Recheneinheit für alle Europäer. Das Geld-Design auf dem Euroschein zeigt Darstellungen von Toren, Fenstern und Brücken aus unterschiedlichen Stilepochen. Die Euro-Münze hat nationalen Symbolbestand – zum Beispiel zeigt die deutsche Cent-Münze das Brandenburger Tor. Niemand kann sich so recht für das logische Großunternehmen der Euroeinführung begeistern, aber es funktioniert und hat bis heute Geltung. 

Eine wichtige Szene der wohltemperierten Grausamkeit im Bezug auf die Austeritätspolitik von SYRIZA in Griechenland war bestimmt das Zwiegespräch zwischen Janis Varoufakis und Wolfgang Schäuble im Jahr 2016. Varoufakis äußerte eine leere Drohung, indem er dem deutschen Finanzminister einen “Grexit” in Aussicht stellte. Dieser ging prompt darauf ein und unterbreitete Varoufakis eine gewisse Summe als Austrittsabfindung.  

Damit schließe ich mit einer Frage: Sind nicht Kryptowährungen die logische Konsequenz aus all dem – der Ort, wo das Hartgeld wegfällt?